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Lonely Planet Reiseführer Thailand

Die rasche Entwicklung südostasiatischer Länder ist für Autoren und Verleger von Reiseführern problematisch: Jedes Handbuch leidet zwangsläufig an mangelnder Aktualität. Der 2009 erschienene Lonely Planet Reiseführer Thailand musste sich bereits die Kritik gefallen lassen, nicht auf der Höhe der Zeit zu sein. Dafür, dass sich Thailand schneller verändert als ein Reisführer veröffentlicht werden kann, ist der Verlag nicht verantwortlich zu machen. Insofern ist solche Kritik zwar inhaltlich zutreffend, gleichwohl unangebracht. Umso erstaunlicher ist es, dass MAIRDUMONT den Versuch unternimmt, ein beinahe unverändertes Werk auf dem Markt zu platzieren, dessen Informationen im Jahr 2008 aktuell waren.

Taugliche Angaben über Unterkünfte, Anbindungen und Kosten kann ein solches Buch nicht aufweisen. Die Preise haben sich verdoppelt, teilweise verfünffacht. Einige erwähnte Sehenswürdigkeiten, Hotels und Restaurants sind geschlossen worden, andere firmieren unter einer neuen Adresse oder entsprechen nicht dem beschriebenen Standard. Als malerisch geschilderte Strände können mittlerweile überlaufen sein, angepriesene Märkte haben vielleicht jede Authentizität verloren, das lauschige Resort ist möglicherweise zum modernen Hotelkomplex umgebaut worden.

Der ambitionierte Versuch, einen umfassenden Reiseführer für das ganze Land zu erstellen, bringt zudem einige Oberflächlichkeiten mit sich. Wichtige Einzelheiten werden schlichtweg nicht erwähnt, wie etwa die notwendige Vorbestellung für Bustickets in abgelegenen Ortschaften oder ein halbstündiger Fußmarsch von der Bushaltestelle bis zur Sehenswürdigkeit. Die 153 Karten beziehungsweise Pläne bieten einen Überblick, sind allerdings nicht vollständig verlässlich. Wer keine Rundreise plant, sondern sich für längere Zeit in einer bestimmten Region oder Stadt aufhalten möchte, ist mit einem detaillierteren Reiseführer ohnehin besser versorgt.

Lonely Planet Reiseführer Thailand

Lonely Planet Reiseführer Thailand

Das Buch demonstriert auch in der dritten Überarbeitung Gleichgültigkeit gegenüber dem deutschen Publikum. Die zuvor ausschließlich englischsprachige Literaturliste ist durch einige Übersetzungen ergänzt worden; dass deutschsprachige Autoren über Thailand schreiben, bleibt weiterhin unberücksichtigt. Inwieweit Krimis und Thriller der Reisevorbereitung dienlich sein könnten, wird nicht erläutert.

Der Tonfall, dessen sich die Autoren bedienen, ist unkritisch übernommen worden. Darin offenbart sich eine angloamerikanisch zentrierte Weltsicht, welche die mehrheitlich weltoffen gesinnten Rucksacktouristen europäischer Herkunft unangenehm berühren dürfte. Zugegeben, es handelt sich hier nicht um einen politischen Essay. Aber ist es denn unbedingt notwendig, der Bevölkerung Thailands Ignoranz gegenüber innenpolitischen Gefahren zu attestieren? Wie würden hiesige Leser einen Deutschland-Reiseführer beurteilen, dessen Vorwort ihnen bescheinigt, bis heute durch mangelnde Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit geprägt zu sein und der soziokulturellen Teilung ihres Landes im Großen und Ganzen mit Ratlosigkeit zu begegnen? Diese Art, erwiesene Gastfreundschaft zu würdigen, ist doch recht speziell.

Bei Individualreisenden erfreuen sich die Handbücher der Reihe Lonely Planet großer Beliebtheit, weil sie Insidertipps enthalten und normalerweise gründlich recherchiert sind. Diesem Anspruch wird die dritte deutschsprachige Auflage des Reiseführers für Thailand nicht gerecht. Als vorbereitende Lektüre mag das Buch geeignet sein, jedoch nicht für die konkrete Planung oder die Reisebegleitung. Hilfreich sind immerhin die Hinweise zu Prophylaxe und Reiseapotheke sowie der umfangreiche Sprachkurs. Alles in allem ist der 892 Seiten starke Band ein Ärgernis.

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