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Talat Noi in Bangkok

Ein altehrwürdiger und von vielen Völkern geprägter Stadtteil mitten im Zentrum von Bangkok

Der kleine und verwinkelte, lediglich einige Hundert Meter breite und lange Stadtteil Talat Noi liegt im südlichsten Zipfel von „Bangkoks Chinatown“ Samphanthawong am Ostufer des Chao-Phraya-Flusses, die wichtigste Hauptverkehrs- und Geschäftsstraße vor Ort ist die Thanon Charoen Krung (New Road). Talat Noi ist ruhiger und entspannter als die Stadtteile in der Umgebung, seine Anfänge datieren bis in die Spätphase des Königreichs Ayutthaya im 18. Jahrhundert zurück. Das Gebiet ist traditionellerweise sehr multikulturell, hier lebten und leben neben Thailändern schon früh Portugiesen sowie Vietnamesen und diverse chinesische Volksgruppen wie die Han, Hakka und Hoklo. Dementsprechend vielseitig ist das Viertel auch architektonisch geprägt, außer den typisch asiatischen Gebäuden mit ihren spitz zulaufenden Dächern fällt vor allem die 1769 von portugiesischen Baumeistern errichtete Kirche „Holy Rosary Church“ (Kalawar) in der Straße Soi Wanit ins Auge.

Wasser und Metall sind die wirtschaftlich wichtigsten Elemente in Talat Noi

Wirtschaftlich war und ist Talat Noi vor allem ein von Handel und Handwerk abhängiges Viertel, der nahe Chao-Phraya-Fluss ist die Lebensader der Gegend und dient seit jeher dem Güter- und Warentransport sowie als schwimmender Markt. Früher war es üblich, dass zunächst die Großhändler ihre Geschäfte mit den chinesischen Händlern auf dem Flussmarkt tätigten, bevor Gongschläge auch der Allgemeinheit signalisierten, dass man jetzt seine Einkäufe machen konnte. In und um Talat Noi haben sich schon früh vorrangig Metall verarbeitende Branchen niedergelassen, einst wurden hier hauptsächlich eisernes Küchengeschirr und Pferdeeisen produziert, heute sind aus den Schmieden größtenteils Maschinenbauer und Mechaniker geworden, die tagtäglich in ihren kleinen Werkstätten an allen möglichen Gerätschaften herumschrauben. Häufig sieht man auch alte Autos, die von flinken Händen auseinander gebaut werden, um die noch brauchbaren Ersatzteile neu zu verwenden.

Talat Noi

Talat Noi

Der Stadtteil beherbergte wohlhabende Händler und großzügige Spender

Die erwähnten chinesischen Handelsschiffe (Dschunken), die regelmäßig auf dem Chao-Phraya bei Talat Noi festmachten, spielten laut den Aufzeichnungen des französischen Bischofs Jean-Baptiste Pallegoix über das Königreich Siam aus dem Jahr 1854 in der Gründungsphase von Bangkok eine wichtige Rolle bei der Stadtentwicklung. Speziell im Winter, kurz vor dem chinesischen Neujahrsfest, ankerten häufig zwischen 50 und 60 Schiffe im Fluss und versorgten die Bevölkerung mit Waren und Gütern aller Art. In Talat Noi konnten sich somit auch schon früh wohlhabende Händlerfamilien etablieren, bekannt geworden ist beispielsweise die thailändisch-chinesische Familie der Sols, die als Vorfahren heute einflussreicher Familien des Landes wie den Chatikavanijs, Srivikorns und Posayajindas gelten. Die Sols bewohnten eine großzügige Residenz in Talat Noi und besaßen viel Land zwischen dem heutigen Hafen und dem Odeon Circle, Teile davon spendeten sie später dem Staat für den Bau der Charoen Krung Road.

In Talat Noi steht ein ganz besonderes Gebäude aus der Frühphase Bangkoks

Die Sols waren neben den Sampatisiris und Kalayanamitrs die einzige chinesische Familie, die sich in Bangkok und Siam zum Ende des Königreichs Ayutthaya ansiedelten, Beweise hierfür sind die an dem Gebäude angebrachten hölzernen Ahnentafeln mit den Namen der ersten Bewohner. Zwischen den 1770er und 1930er Jahren bewohnten deren Nachkommen die prachtvolle Residenz mitten in Talat Noi ununterbrochen, das historische Wohnhaus der Familie Sol ist damit das heute letzte verbleibende chinesische Wohnhaus aus der Zeit vor der Ernennung Bangkoks zur Hauptstadt Thailands im Jahr 1772. Alten Unterlagen zufolge waren die Sols auch als Dolmetscher und Übersetzer für König Taksin den Großen (1734 - 1782) tätig, um ihn bei den Verhandlungen über die Tributzahlungen an China zu beraten. Das Haus der Sols ist im typischen Architekturstil der Han und Hakka gehalten („Sue He Yuan“), bei dem vier Gebäude einen großen Innenhof umranden. Traditionell wurde das Haus auch immer nur an die Töchter der Familie vererbt, da es diesen in China und Thailand obliegt, sich eines Tages um die alten Eltern zu kümmern.

Ein Stück klassisches China mitten in der thailändischen Hauptstadt

In Abwandlung des klassischen Stils und Anpassung an damals thailändische Bauweisen verfügt die Residenz jedoch über zwei Stockwerke statt nur einem, auffällig ist die mit filigranen Malereien und Schnitzereien geschmückte Innenkonstruktion aus Holz, während die Außenmauern und die obere Etage aus massiv Ziegelsteinen gemauert sind. Die Baumaterialien stammten größtenteils aus China, ein großes Yin-Yang Symbol verziert den Dachstuhl. Weitere Tier- und Blumensymbole sind bis heute gut zu sehen, so etwa Löwen zum Schutz, Goldfische für Wohlstand und Granatäpfel für Glück. Die Türen sind gemäß der entsprechenden Tradition in China rot gestrichen und mit verheißungsvollen Texten beschrieben. Der linke Flügel war einst den Männern, der rechte den Frauen vorbehalten, das Haus verfügte damals auch über einen „Obstraum“, „Goldraum“, „Reisraum“, „Feuerholzraum“ und „Zuckerraum“. Obwohl sich die Residenz bis heute in Privatbesitz befindet, und auch teilweise umgebaut und modernisiert wurde, kann sie nach Voranmeldung auch von Gruppen besichtigt werden.

Talat Noi war Geburtsort und lange Zeit auch Wohnort eines thailändischen Helden

Ebenfalls ein bekannter Bewohner Talat Nois zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der spätere Vorsitzende der Bank von Thailand, Universitätsdirektor und Freiheitskämpfer Puey Ungphakorn, der als Kind chinesischer Eltern 1916 in der Straße Trok Rong Soob Nam geboren wurde. Der bis zu seinem Tod 1999 im Exil in England in ganz Thailand bekannte und hoch geachtete Mann lebte lange Zeit in seinem Geburtshaus im Stadtteil, galt als volksnah, freundlich und zugänglich. Sein Wohnhaus wurde später für den Bau einer Straße abgerissen, ganz in der Nähe befindet sich aber ein viel besuchter Schrein für den Priester Cho Su Kong. Ein weiteres bedeutsames Gebäude in dem kleinen Stadtteil ist der erste Sitz der „Siam Commercial Bank“, der von dem italienischen Architekten Annibale Rigotti entworfen und direkt am Ufer des Chao Phraya neben der „Holy Rosary Church“ von 1906 bis 1910 erbaut wurde.

Sogar manche der Straßensteine kamen einst den langen Weg aus China hier her

Abseits dieser bekannten und viel besuchten sowie fotografierten Bauten zeigt sich Talat Noi heute vielerorts noch immer sehr familiär und nahezu dörflich, charakteristisch ist ein dichtes Wirrwarr von Gassen, in denen sich kleine Wohnhäuser, Geschäfte, Garküchen und Werkstätten aneinander schmiegen. Den Stadtteil kann man gut in zwei bis drei Stunden auf eigene Faust oder im Rahmen geführter Touren erkunden, Höhepunkte einer Tour sind diverse versteckt liegende Schreine und die stets geschäftige Straße Thanon Yaowarat, an deren Spitze ein chinesisches Tor thront, welches im Jahr 1999 zu Ehren des Königs von Thailand errichtet wurde. Viele der ältesten Plätze und Straßen in Talat Noi sind übrigens mit Steinen aus China gepflastert, die einst in großen Mengen als Ballast auf den Handelsschiffen benötigt wurden, um die leichten Reisladungen auszubalancieren.

Adresse Talat Noi

  • Adresse: off Th Charoen Krung
    Bangkok, Thailand

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