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Das Hajime Robot Restaurant in Bangkok

Den Nachschlag bringt die Maschine: Darf es noch etwas (mehr Technik) sein?

In Fernost bzw. Südostasien pflegt man fast schon traditionellerweise einen kulturell recht unbefangenen Umgang mit Hightech-Anwendungen aller Art im alltäglichen Leben, speziell der Bereich Unterhaltung wird von Videospielkonsolen, Spielautomaten und diverser Unterhaltungselektronik sowie von technologisch inspirierten Phänomenen wie Karaoke (Amateurgesang zu Backgroundmusik), Pachinko (Geldspielautomat mit kleinen Metallkugeln), Chindōgu (sinnlose, aber technisch anspruchsvolle Erfindungen), Erogē (interaktive erotische Computerspiele), Washlets (multifunktionale Toiletten mit Heizung, Massagefunktionen, Wasserstrahlen, automatischer Spülung, Funkbedienelementen und Klimaanlage), Tamagotchi (eletronische Haustiere) und vielem Vergleichbarem mehr dominiert.

Auch die Kleidung und Mode orientiert sich häufig an visuellen Vorbildern aus den elektronischen Massenmedien und ist mit modernen technischen Finessen versehen (J-wear, antibakterielle Textilien), manche japanische Jugendliche (Visual Kei) sehen in den gerade auch für ihre zahlreichen digitalen Unterhaltungstempel bekannten Tokioter Stadtvierteln Asakusa, Ameyoko, Akihabara, Ginza, Shibuya und Harajuku oft so aus, als wären sie schnurstracks dem neuesten Manga-Comic oder Animé-Film entsprungen. Besonders bemerkenswert sind auch der selbstverständliche Umgang und die hohe gesellschaftliche Akzeptanz von elektronischen Butlern, Pförtnern und Auskunftsrobotern, von denen aktuellen Schätzungen zufolge alleine in Japan fast 400 000 Exemplare im Einsatz sein sollen.

Digitale Diener, Therapieroboter und automatische Altenpflege

Doch nicht nur in Japan und besonders Tokio als der vermutlichen Welthauptstadt der Technikfans und Freaks ist der Einsatz von humanoiden Robotern nicht nur in der Arbeitswelt und in der Altenpflege, sondern auch zur Unterhaltung in der Freizeit und als Unterstützung im Haushalt fast schon der Normalfall, auch in anderen relativ wohlhabenden asiatischen Ländern und Regionen wie Singapur, Malaysia, Brunei und Thailand begegnet man solchen oft auch äußerlich anspruchsvoll gestalteten „künstlichen Menschen“ immer häufiger.

Hajime Robot Restaurant in Bangkok

Hajime Robot Restaurant in Bangkok ©TK

Speziell in der Gastronomie und Hotellerie setzt man (nicht nur) dort immer stärker auf die Ausrüstung mit den neuesten Geräten und Möglichkeiten. Bestellungen per Smartphone, Touchscreens als Speisekarten, Roboter als Köche am Frühstücksbuffet oder als aufmerksame und nur leise surrende Kellner sind gewissermaßen die logische Fortsetzung und Weiterentwicklung des altehrwürdigen amerikanischen und deutschen Automatikrestaurants aus der Zeit um 1900, jedoch mit dem entscheidenden konzeptionellen Unterschied, dass in den modernen diesbezüglichen Restaurants nicht mehr der Gast zu dem Automaten muss, um seine Speisen zu bekommen, sondern der Automat in Gestalt eines Roboters an den Tisch kommt, um diese zu servieren. Wer sich bei dieser Vorstellung vielleicht als potenzieller Kunde etwas zu unpersönlich behandelt fühlt, der kann sich eventuell mit der nicht ganz unangenehmen Begleiterscheinung eines solchen rein digitalen Services anfreunden, dass man garantiert keinem scheelen Blick ausgesetzt ist, wenn man dem lediglich von elektronischen Impulsen, jedoch nicht vom Gewinnstreben geleiteten Kellner oder Ober kein Trinkgeld zu aushändigen bereit ist.

Sushi, Shabu und Salate vom Samurai: Das Hajime Robot Restaurant in Bangkok

Ganz dieser Idee des fast vollständigen Verzichts auf bzw. des weitestgehenden Ersatzes von menschlichem Bedienungspersonal hat sich auch das Hajime Robot Restaurant in dem Bangkoker Einkaufszentrum Monopoly-Park in der Rama III Road im südlichen Bang Kho Laem-Distrikt am östlichen Ufer des Flusses Chao Phraya in der Nähe der Skytrainstation „Asok“ und der MRT-Station „Queen Sirikit Center“ verschrieben. Dort wie auch in der neuen Filiale des Restaurants im Badeort Pattaya servieren als Samurai gestaltete Roboter nicht nur das Essen, sondern tanzen auch regelmäßig zur Erbauung der größtenteils begeisterten Gäste. Umgerechnet fast eine Million Dollar wurden vom Gründer des Restaurants in die aus japanischer Produktion stammenden Motorman-Roboter wie auch in die restliche Hightech-Ausstattung investiert, neben den in der Zwischenüberschrift genannten Spezialitäten kommen auch Fondues und die typischen japanischen Yakitori-Grillspießchen mit Fisch, Fleisch und Gemüse per maschinell gesteuerter Hand auf die Tische. Diese stehen beiderseits eines etwa 10 Meter langen geschützten Glaskorridors, in dem sich die beiden Bedienungsroboter auf einer Schiene hin und her bewegen können. Das passend zur Herkunft der elektronischen Servierkräfte ausschließlich japanische Essen wird von den Gästen nahezu übereinstimmend als außerordentlich gut und schmackhaft gelobt, häufig und gerne bestellt werden die Küchenklassiker der kochenden Suppe Shabu sowie die mit einem Preis von ca. 500 Baht (etwa 13 Euro) recht günstigen Grill-Sets, bei denen das kundenfreundliche Prinzip des All-you-can-eat gilt. Auch die authentischen Reisgerichte wie Katsudon, Oyako Don und Ten Don sind auf hohem Niveau zubereitet, zu trinken gibt es zum Beispiel Smoothies aus verschiedenen Früchten, ein populäres Dessert im Hajime sind die süßen Daifuku-Reiskuchen.

Barbecue im Hajime Robot Restaurant in Bangkok

Barbecue im Hajime Robot Restaurant in Bangkok ©TK

Gastronomischer Technostyle ist und bleibt Geschmackssache

Natürlich ist so ein trotz beaufsichtigender humaner und sehr freundlicher Angestellten doch recht „menschlich reduzierter“ Restaurantbetrieb nicht jedermanns Sache, gerade ältere Kunden können sich in dem Etablissement unter Umständen vielleicht nicht ganz ernst genommen oder auch nicht ausreichend respektvoll behandelt fühlen, für generell an technischen Neuerungen und speziell den aktuellen Einsatzmöglichkeiten von Robotern und künstlicher Intelligenz interessierte Zeitgenossen kann ein Besuch des Hajime Robot Restaurants in Bangkok jedoch ein schönes und beeindruckendes Erlebnis sein. Auch Familien mit noch jüngeren Kindern kann ein kulinarischer Ausflug dorthin durchaus empfohlen werden, allerdings sollte diese oder auch andere Kunden womöglich ein Taxi für An- und Abreise in Betracht ziehen, da das Restaurant etwas außerhalb liegt.

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